Roman Marčák schreibt auf klasika-plus.cz:
Chefdirigent Kaspar Zehnder krönt mit diesem Konzert seine erfolgreiche und präzise Arbeit während einer Ära, an die man sich in Hradec noch lange erinnern wird.
Auch im Fall des Deutschen Requiems kann niemand die Ehrlichkeit des Dirigenten anzweifeln, mit der er an diese Aufgabe herangegangen ist. Diese bestand nicht nur in gründlichem Studium und Kenntnis des Gesamtwerks, sondern gerade in der Unaufdringlichkeit, mit der er die riesige Zahl der Mitwirkenden auf der Bühne während der gesamten siebzig Minuten mit Gespür für jedes Detail, für alle inhaltlichen und dynamischen Veränderungen leitete. Wenn Pathos, dann ja, in dichtester Form, aber nie oberflächlich effekthascherisch. Und wenn es leiser wurde, dann auf kristallklar beruhigende Weise, indem die Reste der vorherigen Energie langsam verhallten. Zehnder schien es nirgendwo eilig zu haben, seine Linie baute bewusst und offen auch auf langen Pausen auf, insbesondere diejenigen zwischen den letzten beiden Sätzen wirkte als Stille geradezu imposant. Das Orchester, der Chor und die Solisten kamen dem Dirigenten mit fester Disziplin entgegen, alle Beteiligten unterwarfen sich voll und ganz seinem Gespür für Ordnung im besten Sinne des Wortes, niemand hatte das Bedürfnis, sich in irgendeiner Weise hervorzuheben. Das Ergebnis dieser gemeinsamen Anstrengung war eine erstaunlich farbenfrohe, sich ständig verändernde und dennoch stets ruhige Form, die durch die präzise Wiedergabe lyrischer Passagen und Abschnitte, die von scheinbarer Dunkelheit zu einem harmonischen Ende übergingen, beeindruckte.
Das deutsche Requiem hat in Hradec Králové definitiv die Erwartungen erfüllt, die ihm vorausgingen. Die Aufführung, die sich auf die innere Kraft des Werks stützte, wurde zu Recht mit lang anhaltendem Applaus belohnt. Die Hoffnung in den Augen und Gesichtern der Menschen, die den Saal unter dem Motto „Selig sind, die da weinen“ verließen, schuf eine besondere, fast greifbare Atmosphäre.